Ergebnisse SWOT-Analyse

Stadtentwicklungskonzept

Ergebnisse SWOT-Analyse

Inhalt:

Demographie:

Im Bereich Demographie zeichnet sich für Butzbach folgendes Bild ab: Auf die gegenwärtige Bevölkerungsentwicklung kann positiv geblickt werden. Trotz negativem Saldo bei Geburten- und Sterberate, konnte durch die Zuzüge die Zahl der Einwohner stabil gehalten werden bzw. leicht steigen. Bis 2020 ist mit einem moderaten Bevölkerungswachstum zu rechnen (Abb. 1). Ab 2020 wird ein Rückgang des Bevölkerungswachstums prognostiziert.
Der Demographische Wandel findet auch in Butzbach statt. Der deutliche Rückgang der Geburten in den letzten Jahren hat bereits zu einer Veränderung in der Altersstruktur der Bevölkerung beigetragen. Langfristig wird der Anteil der der Bevölkerung > 65 Jahre stetig zunehmen, während der Anteil der Bevölkerung in den jüngeren Altersklassen sinkt (Abb. 2). Durch die zunehmende Zahl der Senioren entsteht eine erhöhte Nachfrage neuer bzw. bereits vorhandener, altersspezifischer Dienstleistungen, Wohnformen und Waren, wodurch ein neuer Markt und somit mehr Arbeitsplätze entstehen. Die sinkende Zahl der Kinder und Jugendlichen hat wiederum Auswirkungen auf die Nachfrage nach Gemeinbedarfseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Spielplätzen.

Wohnen:

Im Bereich Wohnen kann Butzbach einen steigenden Wohnungsbestand verzeichnen (Tab. 3). Die Kaufpreise für Bauland sind zurzeit noch relativ günstig. Auch die Mietpreise sind stabil und weisen nur moderate Steigerungen auf (Tab. 4). Die nachbarschaftliche Situation ist überwiegend stabil. Insgesamt weist Butzbach eine gute Wohnqualität mit guter Verkehrsanbindung auf. Das Ortsbild der Altstadt gestaltet sich dabei sehr attraktiv.

Trotz dieser durchaus positiven Bilanz gibt es im Bereich Wohnen auch Schwächen. So kann das große Potenzial für weiteren Wohnraum beispielsweise nicht genutzt werden. Im Regionalen Flächennutzungsplan sind ausreichend Flächen ausgewiesen. Hier gilt es die Aufstellung der Bebauungspläne voranzutreiben.

Der Leerstand liegt mit 4,1 % über dem Kreisdurchschnitt und den Vergleichskommunen. Dies lässt sich auf eine relativ hohe Leerstandquote in einigen Stadtteilen zurückführen. Hier muss unbedingt gehandelt werden, damit die Stadtteile nicht weiter zurückfallen.

Die oben genannten Faktoren ermöglichen gewisse Chancen, aber auch Risiken. Eine Anpassung der Wohnraumstruktur gemäß der Anforderungen der Bevölkerung sowie die Etablierung Butzbachs als heterogenen Wohnstandort mit Nähe zu den umliegenden Oberzentren können Butzbach in den nächsten Jahren und Jahrzenten als zukunftssicheren Wohnort definieren. Das Baulandpotenzial muss genutzt und die Preise günstig gehalten werden.

Werden die definierten Schwächen nicht angegangen, könnte es unter Umständen zu einem erhöhter Leerstand und zu einer Nichtauslastung der Infrastrukturen kommen. Weitere Risiken sind die Verteuerung von Wohnraum, die Problematik der Eigentumsverhältnisse in der Baulandentwicklung sowie ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Kernstadt und Stadtteilen.


Wirtschaft:

Butzbach ist als Mittelzentrum ausgewiesen. Als solches weist Butzbach eine stabile wirtschaftliche Situation auf. Die Nahversorgung für den täglichen Bedarf ist gut ausgebaut. Der Einzelhandel konzentriert sich dabei auf zwei verschiedene Standorte, zum einen auf die Innenstadt, zum anderen auf den Bereich „Am Hetgesborn“. Die Kernstadt weist außerdem eine umfangreiche Gastronomie auf.
Die am Stadtrand befindlichen Gewerbegebiete sind gut ausgelastet und verfügen auch zukünftig über ausreichende potenzielle Flächen. So sind beispielsweise im Industriegebiet Ost noch Erweiterungen geplant (Abb. 5). Durch die Stabilität der in Butzbach angesiedelten kleinen und mittelständischen Unternehmen sind auch weiterhin stabile Gewerbesteuereinnahmen zu erwarten.

Obwohl Butzbach aufgrund der genannten Faktoren wirtschaftlich relativ gut aufgestellt ist konnten einige Schwächen identifiziert werden. Trotz der Einordnung Butzbachs als Mittelzentrum wird die Stadt dessen Anforderungen nicht ganz gerecht. Die mittel- und langfristige Versorgungsstruktur ist nicht ausreichend. Gemessen an der Einwohnerzahl weist die ausgewiesene Verkaufsfläche einen unterdurchschnittlichen Wert auf.
Die Entwicklung der Arbeitslosenzahl in Butzbach ist in weiten Teilen der Entwicklung der Bundesrepublik ähnlich. Butzbach ist von intensiven Pendlerbeziehungen geprägt. Die Zahl der Ein- und Auspendler hat in den letzten Jahren zugenommen (Abb. 6). Aus diesem Zusammenhang wird die günstige Lage und Beliebtheit Butzbachs als Wohnort deutlich.

Finanzen:

Die Stadt Butzbach konnte für 2016 erstmals einen ausgeglichenen Ergebnishaushalt prognostizieren, jedoch gleichzeitig auch einen starken Schuldenzuwachs (Abb. 7). Ferner besteht ein hoher Investitionsbedarf, insbesondere in den Bereichen Personalbedarf in Kitas und der Flüchtlingsunterbringung.

Resultierend aus der obengenannten Situation ergeben sich für Butzbach gewisse Chancen, den Status quo zu erhalten und zu verbessern. Beispielsweise bedeutet die ansteigende Bevölkerungszahl auch steigende Steuereinnahmen. Durch eine Stärkung des Einzelhandels sowie der Nutzung des touristischen Potentials, welches unter anderem in der Nähe zu Frankfurt und der umliegenden Natur als Naherholungsgebiet begründet liegt und sich seit Jahren mit gut 50.000 Übernachtungen im Jahr beziffern lässt (Abb. 8), kann Butzbach weitere Gewinne generieren. Diese wären gleichzeitig eine Absicherung, da der ausgeglichene Haushalt von der aktuellen Niedrigzinsphase profitiert. Der finanziellen Situation der Stadt könnte jedoch auch die Ungewissheit der Flüchtlingsthematik abträglich sein. Weitere Risiken können durch die Abwanderung junger qualifizierter Arbeitskräfte sowie einem Überangebot im Einzelhandel entstehen.

Energie & Klima:

Im Bereich Energie und Klima überwiegen in Butzbach derzeit noch die Schwächen. Es gibt jedoch auch einige positive Entwicklungen. Mit der Ausweitung der Erneuerbare Energien ist mit der Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze zu rechnen. Da sich die Stadtwerke in öffentlichem Besitz befinden, können bestimmte Konzepte leichter durchgesetzt werden. Auch sind für die Installation neuer Energiekonzepte, wie beispielsweise die Geothermie (Abb. 9) ausreichend geeignete Reserveflächen vorhanden. Abbildung 10 verdeutlicht, dass dank der Lage des Haselbergs und des Hausbergs Butzbach auch hervorragende Gebiete zur Windenergieerzeugung zur Verfügung stehen.

Jedoch wird das zur Verfügung stehende Potenzial praktisch nicht genutzt. Die dezentrale Energieversorgung, der Bezug der Verbraucher von Energie aus nahegelegenen Kleinkraftwerken, ist ebenso verbesserungsbedürftig. Bisher wurden seitens der Stadt auch kaum neue Versorgungsmodelle, wie beispielsweise Contracting-Modelle, bei welchen externe Unternehmen mit der Betreuung der Energieanlagen beauftragt werden, etabliert. Ein Klimaschutzkonzept ist nicht vorhanden.

Diese Schwächen ermöglichen aber auch Chancen. Jedoch muss hierbei Einiges investiert werden. Es besteht großes Entwicklungspotenzial in Bezug auf geeignete Flächen, innovative Geschäftsfelder in den kommunalen Stadtwerken, das Angebotsspektrum, Konzepte und Strategie, aber auch auf klimaschonende Mobilitätskonzepte wie beispielsweise Car-Sharing oder die Installation von E-Tankstellen. Ein weiterer Schritt könnte die Teilnahme am European Energy Award sein, welcher durch die erfolgreiche Umsetzung diverser Maßnahmen verliehen wird. Darüber hinaus könnte auch erwogen werden, die Abwärme des Gewerbes als weitere Wärmequelle für das örtliche Wärmenetz zu nutzen.

Zur Umsetzung dieser Maßnahmen müssen bestimmte Risiken beseitigt und Voraussetzungen geschaffen werden. Zunächst bedarf es einer positiven politischen Willensbildung und der allgemeinen Akzeptanz gegenüber neuen Energiekonzepten. Gewisse Faktoren, wie das Planungsrecht und Personalressourcen, müssen entsprechend berücksichtigt und gegebenenfalls angepasst werden.

Verkehr:

Wie Abbildung 11 zeigt verfügt Butzbach dank der unmittelbaren Nähe zur Autobahn über eine sehr gute Verkehrsanbindung. Die nahegelegenen Zentren Frankfurt, Frankfurter Flughafen, Gießen und Wetzlar sind allesamt in unter einer Stunde Fahrtzeit zu erreichen (Abb. 12). Butzbach liegt mit drei Bahnhöfen/Bahn-Haltepunkten (Butzbach, Ostheim, Kirch-Göns) an der Main-Weser-Bahn zwischen Gießen und Friedberg im Bereich des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV). Alle Stadtteile sind laut des Liniennetzplans des Wetteraukreises (Abb. 13) durch öffentliche Verkehrsmittel mit der Kernstadt verbunden. Dabei verfügen die meisten Bushaltestellen über eine barrierefreie Gestaltung. Das Radwegenetz ist ebenfalls sehr gut ausgebaut.

Allerdings sind insbesondere die westlichen Stadtteile im Durchschnitt eine Viertelstunde von der Autobahn entfernt. Die Busanbindungen, obwohl alle Stadtteile angefahren werden, sind sehr niedrig getaktet, die Wartezeiten daher sehr hoch. Innerhalb der Kernstadt kommt es häufig zu einem sehr hohen Verkehrsaufkommen. Die Verkehrsführung des Radwegenetzes weist Defizite auf und mindert so die durch den sehr guten Ausbau gewonnene Qualität. Ebenso muss bei der Barrierefreiheit, abgesehen von den Bushaltestellen, nachgebessert werden.

Möglicher Lösungsansatz für die Reduzierung des Verkehrs in der Kernstadt könnte die geplante Ortsumgehung sein. Zur Erhöhung der Taktung der öffentlichen Verkehrsmittel wäre es ratsam, diese weiter auszubauen und ein neues Verkehrskonzept aufzustellen. Dabei muss jedoch der tatsächliche Bedarf unbedingt berücksichtigt werden, da ansonsten eine ungenügende Auslastung des ÖPNV auftreten und so die Kosten unnötig in die Höhe treiben würde.

Soziale Infrastruktur:

Bildungseinrichtungen sind in Butzbach in Form von Schulen aller Bildungsgänge inklusive einer Berufsschule und Integrativer Schulen in ausreichender Zahl vorhanden. Die Ausnutzung der Kinderbetreuungseinrichtungen unterliegt gewissen Schwankungen. Betreuungsplätze werden aktuell in einem Maß zur Verfügung gestellt, das unter der potenziellen Anzahl benötigter Betreuungsplätze liegt. Durch die prognostizierte negative Entwicklung der Kinderzahlen (vgl. Abb. 2) in den kommenden Jahren kann sich diese Momentaufnahme jedoch womöglich in eine andere Richtung entwickeln (Abb. 14).

Generell ist die gesundheitliche Versorgung im Wetteraukreis und auch die der Stadt Butzbach im Vergleich zu anderen ländlichen Gebieten als stabil anzusehen. Eine entscheidende Aufgabe der kommenden Jahre wird es sein, die Entwicklung weiter zu forcieren, um Standards, beispielsweise im Bereich der hausärztlichen Versorgung, aufrechterhalten zu können. Darüber hinaus ist die ärztliche Versorgung in den Stadtteilen als weniger gut zu beurteilen. Einige, darunter auch Standorte für Pflegeeinrichtungen, besitzen keine ärztliche Direktversorgung sodass die Bewohner sich in der Regel in die Kernstadt begeben müssen, um sich behandeln zu lassen. Auch ein Krankenhaus existiert nicht. Soziale Einrichtungen sind zwar vorhanden, jedoch besteht auch hier Verbesserungs- bzw. Erweiterungspotenzial.