Kinder und Jugendliche sollen mitplanen

2. März 2012  |  Kinder und Jugendliche sollen mitplanen

Im Degerfeld geht man neue Wege in der Freiraumgestaltung

„Denken Sie mal daran, wie Sie früher als Kinder gespielt haben – sicher selten auf Spielplätzen. Sie sind mit anderen Kindern auf Bäume geklettert, haben Dämme an Bachläufen gebaut oder Hickelkasten auf der Straße gespielt“.

So eröffnet Landschaftsarchitekt Norbert Schäfer vom Ingenieurbüro STADT + NATUR die Auftaktveranstaltung für ein Projekt zur Gestaltung des Wohnumfelds mit Kindern und Jugendlichen im Butzbacher Stadtteil Degerfeld. Eingeladen zu der Veranstaltung am 01.03.2012 hatten die Stadt Butzbach sowie das Quartiersmanagement des Diakonischen Werks und der NH|ProjektStadt. Für die heutigen Kinder und Jugendlichen, so erläutert der Fachmann weiter, werden solche freien Spielsituationen immer seltener: Es gibt immer weniger anregungsreiche und verfügbaren Flächen in Wohnungsnähe, „vor dem Haus“ kann aufgrund des gestiegenen Verkehrsaufkommens immer seltener gespielt werden. Zudem gibt es für Kinder immer weniger Spielkameraden, mit denen sie gemeinsam die Umwelt erkunden können. In der Folge spielen Kinder oft kaum noch draußen. Mittlerweile wirkt sich dies bereits negativ auf ihre Entwicklung aus: Es zeigen sich vermehrt Tendenzen von eingeschränkter Kraft, Ausdauer und Geschicklichkeit sowie von Lern- und Konzentrationsschwächen.

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse möchte man im Degerfeld neue Wege in der Freiraumplanung gehen. Wie Bürgermeister Merle auf der Veranstaltung betont, ist die Aufwertung des Wohnumfelds eine der zentralen Maßnahmen des Programms „Soziale Stadt“ im Stadtteil. Die dafür notwendigen Umgestaltungen sollen schrittweise und jeweils unter aktiver Teilnahme der betroffenen Bewohner erfolgen. Mit Förderung aus dem Programm wurde nun das Büro STADT + NATUR gemeinsam mit dem Beratungszentrum für kommunale Kinder-, Jugend-, Bürgerinnen- und Bürger beteiligung (KOBRA) beauftragt, eine „Spielraumplanung“ zu erarbeiten. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Planung von neuen Spielplätzen, sondern um ein neues Verständnis in der Gestaltung von Spiel- und Freiflächen. Dies bedeutet unter anderem, dass Kinder und Jugendliche, aber auch die erwachsenen Anwohner, intensiv in die Planung eingebunden werden. Hierfür möchten die Planer im Frühjahr mit Kindern und Jugendlichen „Streifzüge“ durch den Stadtteil unternehmen, anschließend sollen in einer Planungswerkstatt mit allen Generationen gemeinsam Ideen, Wünsche und Perspektiven für einen kinder- und jugendfreundlichen Stadtteil entwickelt werden. Wichtig ist, dass dabei nicht nur die bestehenden Spiel– und Sportplätze betrachtet werden, sondern alle Orte, an denen sich Kinder und Jugendliche aufhalten, also z.B. auch die angrenzenden Wald- und Wiesenflächen oder Spielorte, die nicht als solche konzipiert sind, etwa Straßenräume oder Hauseingänge. Zuletzt wird ein Maßnahmenplan erarbeitet, der als langfristiges Konzept auch der Stadtverordnetenversammlung zum Beschluss vorgelegt wird. Dabei soll allerdings mit der Vorlage des „Spielleitplans“ die Auseinandersetzung mit dem Thema nicht enden. „Es geht uns vielmehr darum, eine dauerhafte Beteiligungskultur zur Ausbildung eines kinder- und jugendfreundlichen Stadtteils Degerfeld zu etablieren“, so Martin Theodor vom Beratungszentrum KOBRA.

Wichtig ist es den beauftragten Büros, von Anfang an mit einer lokalen Arbeitsgruppe zusammenzuarbeiten, die mit ihnen die Beteiligungsschritte und die Umsetzung der Spielleitplanung organisiert und eine Lobby vor Ort bildet. Einige lokale Partner, etwa von der Kindertagsstätte „Pusteblume“, der Butzbacher Spiel- und Lernstube oder dem Projekt „frühstart“, haben sich bereits bei der Auftaktveranstaltung gefunden. Weitere Mitstreiter sind aber willkommen. Gefragt sind dabei engagierte Menschen, die sich gerne mit dem Thema einer kinder- und jugendfreundlichen Freiraumgestaltung im Degerfeld beschäftigen möchten und idealerweise Kontakt zu Kindern und Jugendlichen im Stadtteil herstellen können.

Interessenten für eine Mitarbeit können sich bei Andrea Weber vom Quartiersmanagement des Diakonischen Werks (Haydnstr. 27; Tel.: 06033 – 9735809) melden.

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