2016 Baubeginn für schnelles Internet

11. Dezember 2014  |  Breitbandausbau Gesellschaft stellt Abläufe vor

352 000 Euro Butzbacher Investitionskostenanteil

70 Millionen Euro könnte der Breitbandausbau in der Wetterau und dem Vogelsberg kosten. So kalkuliert es die Breitbandinfrastrukturgesellschaft Oberhessen (Bigo). Butzbach ist an der Gesellschaft beteiligt und hat daher auch einen Anteil an den Investitionskosten zu entrichten, wie in der jüngsten Bauausschusssitzung angedeutet wurde.

Allerdings fragte kein Mitglied nach der Höhe der Summe, die auf Butzbach entfällt. Bürgermeister Michael Merle sagte auf BZ-Anfrage, es handele sich auf derzeit geschätzt 352 000 Euro. Der Gesellschafter-Anteil liege derzeit bei 15 000 Euro, könne aber auch noch größer werden. 

In der Sitzung stellten Matthias Flor, Geschäftsführer der Wetterauer Breitband-Beteiligungsgesellschaft und Referent von Landrat Joachim Arnold, und Ovag-Projektleiter Stefano Jardella die Zukunftspläne vor. Weil „der Markt“ beim Glasfaserausbau vor allem in ländlichen Gebieten weiße Flecken hinterlassen hat, wurde die kommunale Gesellschaftsstruktur aus der Taufe gehoben. Durch sie soll im Sinne der Daseinsvorsorge Glasfaser-Kabel für schnelle Internet-Verbindungen in die Provinz gebracht werden, zumindest bis an die Kabelverzweiger, jene grauen Kästen am Straßenrand, von denen aus dann auf der „letzten Meile“ die bisherigen Kupferkabel in die Häuser führen. 

Für Butzbach stellte Jardella eine unterschiedlich gute Versorgung einzelner Areale vor. Welche „weißen Flecken“ es konkret gibt, die von der Bigo künftig besser versorgt werden können, werde erst im kommenden Jahr genau zu sagen sein. Denn derzeit läuft noch die so genannte Marktabfrage. Das kommunale Unternehmen, das auch gerne EU-Fördermittel beziehen möchte, darf sich nicht einfach in den freien Markt drängen, wo andere Anbieter möglicherweise mittelfristig die Verlegung von Glasfaser planen. 

Mit einem Anteil von 51 Prozent gehört die Bigo dem Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV). 30 Prozent entfallen auf den Wetteraukreis, 19 Prozent auf den Vogelsbergkreis. Vertreten werden die Interessen von 37 Städten und Gemeinden sowie der beiden Landkreise. 302 Ortsteile gehören zu diesem Gebiet, für das nun die „Deckungslücke“ nachgewiesen werden muss. Gebiete, in denen eine Versorgung besteht, werden nicht mehr einbezogen. Bisher wurden weiße Flecken in 258 Ortsteilen von der Bigo identifiziert. 

„Das Netz kann man innerhalb von drei Jahren ausbauen“, erklärte Jardella. Der Zeitplan sieht einen Baubeginn Anfang 2016 vor. Wenn Anfang kommenden Jahres die Ergebnisse der Markterkundung vorliegen und die Bigo weiß, wo sie tätig werden darf – „Wir können nicht die Rosinen picken, sondern müssen eine schwierige Aufgabe lösen“, sagte Jardella – werden auch genauere Zahlen präsentiert. Für die notwendigen Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung würden dann die Daten vorgelegt. Derzeit wollte Jardella nicht ins Detail gehen, weil zum einen die Konkurrenz nicht informiert sein soll und zum anderen möglicherweise auch noch Kommunen aus dem Verbund ausscheiden könnten, weil sie beispielsweise im Rahmen der Bigo-Initiative nicht versorgt werden können. 

Im kommenden Frühjahr soll dann das so genannte Interessenbekundungsverfahren ablaufen. Dann können potentielle Netzbetreiber ihre Gebote abgeben. Mehr als eine Handvoll Interessenten gibt es nach Vorgesprächen, die Jardella geführt hat. Auch die Finanzierung aus Landesmitteln wird Anfang des Jahres Thema sein. Je nach der verfügten Aufteilung auf die beiden Landkreise werde dann auch feststehen, ob der Zuschussbedarf durch die Kommunen sinkt oder steigt. 

Denn zur Beteiligung gehört auch der kommunale Anteil am Eigenkapital. Mindestens zehn Prozent des 70 Millionen Euro großen Risikos sollen nach dem Willen der Banken durch Eigenkapital abgedeckt sein. Die Bigo veranschlagt zehn Millionen Euro. Überdies muss Fremdkapital besorgt werden, um die Finanzierung des Projektes auf 30 Jahre zu sichern. Diese lange Laufzeit sei für das kommunale Projekt möglich. Private Anbieter, die Geld verdienen müssten, kalkulierten in Fünfjahreszeiträumen. 

Was die zu erreichende Schnelligkeit der Internetverbindungen nach dem Breitbandausbau angeht, so lässt sich laut Jardella kein einheitlicher Wert für das Gebiet festlegen. „Ziel ist, dass über 90 Prozent mit 30 Megabit versorgt werden.“ 100 Megabit würden unmittelbar am Glasfaserkabel erreicht. Durch die Weiterleitung über Kupfer entstünden aber Verluste, unter anderem auch wegen Qualität oder Alters dieser Leitungen. 

Quelle: Butzbacher Zeitung

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